Einsam im Leben, allein im Tod

Wenn das Ordnungsamt bestattet

Da der Artikel “Letzte Ruhe im Kanalrohr” auf Facebook einigermaßen für Furore gesorgt hat, hier noch einmal die Klarstellung, dass sich unsere Gesellschaft in einer Transformation befindet, der der Gesetzgeber nur unzureichend nachkommt. Dabei sei völlig dahingestellt, ob er es nicht kann oder nicht will. Aber auf soziodemographische Entwicklungen hin zur Methusalem-Falle wird seit Mitte der 70er Jahre hingewiesen. Sie müsste für niemanden eine Falle sein, wenn man entsprechende Lebensgemeinschaften entwickelt hätte. Stattdessen hat man den Menschen Versicherungen verkauft. Aber gegen Einsamkeit im Alter kann man sich nicht absichern.


Die Zeit kann niemand anhalten.

Oft wird es in unseren Medien so dargestellt, dass die Bestattung durch das Ordnungsamt ein Einzelschicksal sei. Sie ist dann der Fall, wenn keine Angehörigen mehr nachzuweisen sind. Ältere, alleinlebende Menschen und Verwahrloste, zuletzt auch häufiger jüngere. Drogen- und Alkoholabhängige., wie es in diesem Artikel auf mittelhessen.de heißt. Nett, wer da mit wem verglichen wird. Tendenz steigend. Und vermutlich würde sich niemand weiter darum bemühen, wenn nicht jede dieser anonymen Urnenbestattungen mit 2.000 Euro in der Gemeindekasse zu Buche schlagen würde.

Dass dies eine Fehlentwicklung in unserer Gesellschaft ist, die mit dem Pillenknick der 60er Jahre und der gesellschaftlichen Desinformation einhergeht, gerät dabei ebenso ins Vergessen, wie die dadurch produzierte Einsamkeit der Menschen, die das bereits Jahre vorher auszuleben oder besser auszubaden haben. Fragen Sie doch einmal Menschen, wie es ihnen wirklich geht, wenn sie Weihnachten alleine zu hause sind? Sie werden es ihnen nicht sagen. Dann fragen Sie, was sie sich wünschen würden ‘zum Fest der Liebe‘. “Dass es noch einmal so ist, wie früher.” Aha?! Früher war nicht alles besser, aber näher am Menschen. Heute ältere haben alle mal in größeren Familien gelebt und damit ganz andere Zeiten der Wärme und Nächstenliebe erlebt, die im Zeitalter bewusstlosen Dauerkonsums aufgegeben wurde. Warum auch immer… Jetzt zu betreuende jüngere Patienten kommen aus den ersten Einzelkindhaushalten der 60er Jahre und damit wird es Eiszeit in Deutschland. Ab da wird sinkt die Geburtenrate drastisch, die Zahl der Scheidungen schießt von 10% auf bis zu 52% im Jahre 2005 – und das trotz zurückhaltendem Eheversprechen. Was bleibt? Der Ruf nach Solidarität und Verbindlichkeit unter den Menschen. Wie denn, wenn sie über 50 Jahre lang keiner dazu erzogen hat?

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